Während in Europa die Tage kürzer und grauer werden, entfaltet sich im November in den Anden ein ganz besonderes Schauspiel. Quito, die höchstgelegene Hauptstadt der Welt, zeigt sich in dieser Zeit von ihrer besten Seite: Die Regenzeit ist noch mild, die Temperaturen angenehm frisch, und die dramatischen Wolkenformationen über den umliegenden Vulkanen schaffen eine Atmosphäre, die jeden Fotoapparat zum Glühen bringt. Für eine Gruppe von Freunden, die Abenteuer mit überschaubarem Budget suchen, gibt es kaum einen spannenderen Ort als diese faszinierende Andenmetropole.
Warum Quito im November perfekt für Sparfüchse ist
Der November markiert den Übergang zwischen den Jahreszeiten in Ecuador, und genau das macht ihn so attraktiv. Die touristische Hochsaison hat noch nicht begonnen, was bedeutet: niedrigere Preise für Unterkünfte, weniger überlaufene Sehenswürdigkeiten und authentischere Begegnungen mit Einheimischen. Das Wetter zeigt sich launisch, aber gerade diese Unberechenbarkeit verleiht der Stadt ihren besonderen Charakter. Morgens strahlt die Sonne über die koloniale Altstadt, mittags ziehen Wolken auf, und abends kann ein kurzer Schauer die Luft reinigen – danach funkeln die Lichter der Stadt umso heller.
Die Durchschnittstemperaturen bewegen sich um 15 Grad, was lange Erkundungstouren zu Fuß angenehm macht. Für eine Gruppe von Freunden bedeutet das: Ihr könnt gemeinsam durch die steilen Gassen streifen, ohne ins Schwitzen zu geraten, und abends in einem der vielen kleinen Lokale bei einem heißen Getränk die Erlebnisse des Tages austauschen.
Die koloniale Altstadt – ein UNESCO-Welterbe zum Nulltarif erkunden
Das historische Zentrum Quitos ist ein Freilichtmuseum, das nichts kostet außer eurer Zeit und Neugier. Die verwinkelten Straßen und Plätze erzählen Geschichten aus fünf Jahrhunderten, und bei jedem Schritt entdeckt ihr neue Details: kunstvolle Balkone, versteckte Innenhöfe und Kirchenfassaden, die in der Novembersonne golden schimmern.
Die Plaza Grande bildet das Herz der Altstadt, umgeben von imposanten Gebäuden. Von hier aus könnt ihr euch treiben lassen, die Basilica del Voto Nacional mit ihren statt Wasserspeiern angebrachten einheimischen Tierdarstellungen bestaunen oder zur Kirche San Francisco schlendern. Für umgerechnet etwa 2 Euro pro Person könnt ihr die Türme einiger Kirchen besteigen – der Ausblick über die Stadt, eingerahmt von den Vulkanen Cotopaxi und Cayambe, ist atemberaubend.
Der TelefériQo – Höhenrausch für kleines Geld
Für rund 7 Euro bringt euch die Seilbahn auf 4.100 Meter Höhe zum Cruz Loma. Die Fahrt allein ist ein Erlebnis: Ihr schwebt über die Dächer Quitos hinauf in die Páramo-Landschaft, wo Nebelschleier zwischen den Bergen hängen. Oben angekommen, könnt ihr weitere Wanderungen unternehmen – der Rucu Pichincha ist für einigermaßen fitte Gruppen in etwa zwei Stunden zu erreichen. Packt warme Kleidung und Snacks ein, teilt die Kosten für einen Proviantbeutel, und genießt das Gefühl, gemeinsam auf einem Andengipfel zu stehen.
Kulinarische Entdeckungen ohne Budget-Explosion
Quito ist ein Paradies für Freunde guter und günstiger Küche. In den Markthallen der Stadt bekommt ihr ein komplettes Mittagsmenü, das sogenannte „Almuerzo“, für 2,50 bis 3,50 Euro. Diese Mahlzeiten sind üppig: Suppe als Vorspeise, ein Hauptgericht mit Reis, Fleisch oder Fisch, dazu Gemüse und ein Saft. Die Portionen sind so großzügig, dass selbst hungrige Wanderer satt werden.
Besonders atmosphärisch sind die Mercados wie der Mercado Central oder der Mercado de San Francisco. Hier könnt ihr gemeinsam durch die Gänge schlendern, exotische Früchte probieren und die lokale Küche in ihrer authentischsten Form erleben. Ein Tipp für Gruppen: Bestellt verschiedene Gerichte und teilt sie untereinander – so lernt ihr mehr ecuadorianische Spezialitäten kennen, ohne das Budget zu sprengen.
Abends verwandelt sich das Viertel La Mariscal in einen lebendigen Treffpunkt. Hier findet ihr Lokale mit Happy-Hour-Angeboten, bei denen ihr lokales Bier für etwa 2 Euro oder einen Canelazo, das traditionelle Heißgetränk aus Aguardiente und Zimtwasser, für ähnliche Preise bekommt. Die Stimmung in den Straßen ist gesellig, perfekt für eine Gruppe von Freunden, die den Abend ausklingen lassen möchte.

Unterkunft clever wählen
Für Gruppen sind Hostels mit Mehrbettzimmern die wirtschaftlichste Option. Im November findet ihr Betten in guten Hostels für 8 bis 12 Euro pro Nacht. Viele Unterkünfte verfügen über Gemeinschaftsküchen, was eine weitere Sparmöglichkeit eröffnet: Kauft auf den Märkten frische Zutaten ein und kocht gemeinsam. Das Kilo Avocados kostet etwa 1,50 Euro, frisches Brot gibt es für Centbeträge, und ein gemeinsames Frühstück auf der Hostelterrasse mit Blick auf die Vulkane wird zum unvergesslichen Erlebnis.
Achtet bei der Wahl eurer Unterkunft auf die Lage: Die Altstadt ist atmosphärisch und zentral, kann aber abends etwas ruhiger werden. La Mariscal ist lebendiger und bei Reisenden beliebt, während das ruhigere Viertel La Floresta als Geheimtipp unter Langzeitreisenden gilt.
Fortbewegung für Sparfüchse
Das öffentliche Verkehrssystem Quitos ist effizient und spottbillig. Die Metrobusse kosten 0,25 Euro pro Fahrt, egal wie weit ihr fahrt. Für Gruppen, die mehrere Fahrten planen, lohnt sich eine aufladbare Chipkarte. Taxis sind ebenfalls erschwinglich – eine Fahrt innerhalb der Stadt sollte selten mehr als 4 bis 5 Euro kosten. Nutzt offizielle Funktaxis oder verhandelt den Preis vor der Fahrt.
Die beste Fortbewegungsart bleibt aber das Laufen. Quito ist überraschend kompakt, und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt liegen fußläufig beieinander. Plant genug Zeit ein, denn die Höhenlage macht sich bemerkbar – selbst steile Treppen können anfangs herausfordernd sein.
Tagesausflüge, die sich lohnen
Vom zentralen Busbahnhof Quitumbe erreicht ihr zahlreiche Ziele in der Umgebung für wenige Euro. Die Fahrt nach Mindo, einem Nebelwald-Paradies mit Kolibris und Wasserfällen, kostet etwa 3 Euro und dauert zwei Stunden. Otavalo mit seinem berühmten Kunsthandwerksmarkt ist für ähnliche Preise erreichbar. Teilt die Transportkosten, packt Proviant ein, und ihr habt einen kompletten Tagesausflug für unter 15 Euro pro Person.
Das Mitad del Mundo, der vermeintliche Äquator, liegt nur 26 Kilometer nördlich der Stadt. Öffentliche Busse bringen euch für unter einem Euro dorthin. Auch wenn der offizielle Äquator einige Meter daneben liegt, ist das Monument ein beliebtes Fotomotiv, und die umliegenden Museen bieten interessante Einblicke in präkolumbianische Kulturen.
Praktische Tipps für den November
Packt Kleidung nach dem Zwiebelprinzip ein. Die Temperaturschwankungen zwischen Morgen und Abend sind beträchtlich, und in Innenräumen gibt es selten Heizungen. Eine wasserdichte Jacke ist unverzichtbar für die kurzen Regenschauer, die im November auftreten können.
Die Höhenlage von 2.850 Metern unterschätzen viele Erstbesucher. Nehmt euch die ersten Tage ruhig, trinkt viel Wasser und vermeidet schweres Essen und Alkohol, bis sich euer Körper akklimatisiert hat. Ein traditionelles Mittel gegen die Höhenkrankheit ist Coca-Tee, den ihr in fast jedem Lokal für wenige Cent bekommt.
Geldautomaten findet ihr überall in der Stadt, aber hebt größere Beträge auf einmal ab, um Gebühren zu sparen. Die meisten Automaten geben maximal 200 Dollar aus. In vielen kleineren Lokalen und auf Märkten wird nur Bargeld akzeptiert, also sorgt für ausreichend Kleingeld.
Quito im November ist eine Stadt der Kontraste und Überraschungen, perfekt für eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam ein echtes Abenteuer erleben möchten, ohne dafür ein Vermögen auszugeben. Die Mischung aus kolonialer Pracht, lebendiger Kultur und der spektakulären Andenlandschaft schafft Erinnerungen, die kein Geld der Welt aufwiegen kann – und das Beste daran ist, dass diese Erinnerungen tatsächlich sehr wenig kosten.
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